Was innovative Unternehmen von „Karate Kid“ lernen können

Im Jahre 1984 feierte ein einfacher Film namens „The Karate Kid“ internationalen Erfolg. Und von genau diesem Film können Unternehmen, die wirklich nachhaltig innovativ sein möchten, eine wichtige Lektion lernen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der schüchterne Daniel zieht mit seiner alleinerziehenden Mutter in eine neue Stadt und verliebt sich in ein Mädchen. Dessen eifersüchtiger Ex-Freund - der beste Schüler der Karate-Schule „Cobra Kai“ - beginnt Daniel daraufhin zu mobben und gar zu verprügeln. Bei einer Schlägerei kommt der aus Japan immigrierte Hauswart Mister Miyagi Daniel zu Hilfe und stellt dabei seine Kampfkunst unter Beweis. Mister Miyagi und der Karate-Lehrer des „Cobra Kai“ vereinbaren daraufhin, dass seine Jungs Daniel in Ruhe lassen werden, wenn Daniel auch am alljährlichen Karate-Wettkampf teilnimmt und sich da den Kämpfern des „Cobra Kai“ stellt. Das Finale folgt dem typischen Hollywood-Underdog-Schema.

Die wichtige Lektion für Unternehmen, die nachhaltig innovativ sein möchten, kann in der Mitte von „Karate Kid“ gelernt werden. Denn genau so, wie die allermeisten Unternehmen wissen, dass sie den ökonomischen Wettstreit nur dann gewinnen können, wenn sie innovativ sind, wusste Daniel-san (wie er von Mister Miyagi genannt wurde), dass er seinen Wettkampf nur dann gewinnen kann, wenn er Karate beherrscht. Also kam Daniel-san hochmotiviert und entschlossen zu Mister Miyagi’s erstem Training. Daniel wollte selbstverständlich sogleich die gefährlichen Schläge lernen, wollte wissen, wie man seine Gegner am schnellsten zu Boden bringt. Stattdessen führte Mister Miyagi Daniel auf einen Hinterhof voller alter Autos und sagte zu ihm: „Auftragen, rechte Hand. Polieren, linke Hand. Auftragen, polieren. Einatmen durch Nase, ausatmen durch Mund. Auftragen, polieren.“ Und dies nicht nur bei einem, sondern bei jedem einzelnen Fahrzeug. Daniel machte sich enttäuscht an die Arbeit. Nach einem harten Arbeitstag waren alle Autos poliert - und Mister Miyagi hatte eine Hauswart-Aufgabe weniger zu erledigen. Am nächsten Tag hoffte Daniel-san endlich die gewünschten Tricks und Schläge zu lernen. Doch Fehlanzeige. Denn diesmal wird Daniel damit beauftragt, den Zaun zu streichen. Mit dem Pinsel jeweils immer hoch, dann runter, hoch, runter. Daniel wird wütend. Er fühlt sich von Mister Miyagi benutzt. Er nimmt dem älteren Herrn einfach die mühsame Arbeit ab, anstatt Karate zu trainieren. Dabei kommt das Turnier immer näher und er muss endlich diese gefährlichen Schläge lernen.

Was Mister Miyagi Daniel-san hier lehrt ist, dass ihm die richtigen Schläge am Schluss war zum Sieg führen werden, diese aber ohne die richtige mentale Grundlage nichts nützen werden. Auf dem Filmplakat zum Film steht: „He taught him the secret to Karate lies in the mind and heart. Not in the hands.“

Die gefährlichen Schläge sind in der Innovation die guten Ideen. Es ist offensichtlich, dass es diese neuartigen, kreativen Ideen braucht, um den Innovations-Wettkampf zu gewinnen. Aber wenn Unternehmen denken, dass sie lediglich diese kreativen Ideen finden müssen und der Rest komme dann von Selbst, dann überspringen sie das Autopolieren und das Zaunstreichen. Sie starten eine Open-Innovation-Kampagne, führen Kreativworkshops durch, fordern alle Mitarbeiter dazu auf, Ideen zu entwickeln oder unterhalten einen Startup-Radar. Da diese Unternehmen wissen, dass Ideen nicht vor den Computer-Bildschirmen im Grossraumbüro entstehen, lassen sie einen Kreativraum oder ein „Design-Lab“ einrichten. Sie senden die Vorstände ins Silicon Valley und beauftragen die Projektteams nun „agil“ vorzugehen. Ja, das sind alles wichtige Schritte auf dem Weg zum schwarzen Gürtel der Innovation. Aber wenn Unternehmen glauben, dass sie gleich mit diesen Massnahmen starten können, dann fehlt ihnen ein Mister Miyagi. „The secret to Innovation lies in the mind and culture. Not in the methods, processes and design-labs.“, würde er ihnen raten.

Wenn Sie möchten, dass Ihre Mitarbeiter Virtuosen auf dem Klavier werden, dann ist es auch nicht damit getan, ihnen den teuersten Flügel in den Raum zu stellen. Es braucht die richtige Basis. Ein Grundverständnis der Materie. Das Wissen, dass niemand gleich zu Beginn Virtuose ist. Den Willen zu üben, üben, üben. Und die Einsicht, dass das Klavierspielen - genau so wie die Innovation - längst nichts für Alle ist.

Ohne richtige Grundhaltung werden Sie den teuren Flügel schon bald verfluchen. Da keiner Ihrer Mitarbeiter es fertigbrachte, Ihnen nach wenigen Wochen einen neuen Hit hin zu zaubern, verlieren Sie die Hoffnung in die musikalische Zukunft Ihrer Truppe. Und Sie investieren nie wieder etwas in die Musik. Genau hier liegt die Gefahr all dieser gut klingenden Innovationsmassnahmen. Eine grossangelegte Ideen-Kampagne oder ein teuer eingerichtetes Design-Lab wird sie nicht gleich innovativ machen. Und von dieser Erkenntnis enttäuscht werden vielleicht weder Sie noch Ihre Mitarbeiter erneut bereit sein, Zeit und Geld in die Innovation zu investieren.

Innovation ist viel mehr als bloss das Sammeln von guten Ideen. Radikale Innovation lässt sich auch nicht mit den althergebrachten Wasserfall-Projektmethoden umsetzen. Radikale Innovationen brauchen neue Strukturen, neue Rollen, die zuerst gelernt werden müssen, ein neues Verständnis von Prozessen und allem voran: eine neue Kultur und einen neuen Mindset. „Auftragen, polieren. Einatmen durch Nase, ausatmen durch Mund. Auftragen, polieren.“

 

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Über den Autor:

Jean-Philippe Hagmann ist Redner auf internationalen Kongressen und Unternehmensveranstaltungen. Er ist diplomierter Industriedesigner und Mitbegründer von INNOPUNK, dem Thinktank für mehr radikale Innovationen in deutschsprachigen Unternehmen. Ausserdem ist Jean-Philippe Dozent für Innovationsmanagement, Autor sowie leidenschaftlicher Innovations-Vordenker der neuen Generation. Kontakt: hello@jphagmann.com