Die 3 Aggregatzustände der Innovation

Es ist eine unglaubliche Tatsache, dass Stoffe ihren Zustand von fest über flüssig bis hin zu gasförmig verändern können. Dasselbe Material und doch kann es in drei völlig verschiedenen Formen daherkommen. So unglaublich dieser Umstand ist, so selbstverständlich kommt er uns vor - schließlich haben wir das schon früh in unserem Leben in der Schule beigebracht bekommen.

Fest

Für viele nicht ganz so selbstverständlich ist allerdings die Vorstellung, dass auch die Innovation in diesen drei Aggregatzuständen vorliegen kann. Für die meisten von uns existiert Innovation - so wie zum Beispiel Eisen - nur in ihrer festen Form. Sie unterliegt einem starren Prozess mit klaren, unveränderlichen Regeln. Diese Art der Innovation ist berechenbar und zeichnet sich durch ein eingegrenztes sowie möglichst kleines Risiko aus. Bei dieser Art der Innovation muss sich eine Idee durch die festen Gitter dieser Struktur durchkämpfen. Schafft sie das, kommt am anderen Ende eine leicht verbesserte Dienstleistung, die neueste Variante eines Produktes oder ein effizienterer Prozess heraus.

Flüssig

Dank dem Siegeszug der agilen Innovationsmethoden wie Design Thinking, Scrum oder Lean Startup wird es immer mehr Unternehmen bewusst, dass es neben der festen Form auch eine flüssige, flexible und agile Form der Innovation gibt. Diese agile Innovation zeichnet sich durch einen dem jeweiligen Projekt angeschmiegten und rasch anpassbaren Prozess aus. Bei der flüssigen Innovation geht es darum, eine neuartige Lösung zu finden, die genau zum Bedürfnis einer bestimmten Zielgruppe passt. Und diese Lösungen werden nicht in den geschlossenen Büros unserer Unternehmen erdacht, sondern durch Versuch und Irrtum gleich mit der jeweiligen Zielgruppe entwickelt. In diesem Aggregatzustand können Ergebnisse erzielt werden, die einen wesentlich grösseren Innovationsgrad aufweisen als beim festen Zustand. Allerdings ist hier - wie es bei Flüssigkeiten üblich ist - das Risiko grösser, dass etwas überläuft.

Gasförmig

Innovation kommt aber noch in einer weiteren, zugegebenermaßen sehr seltenen Form vor: gasförmig, ohne Beständigkeit, schlecht kontrollierbar. Und mit einer sehr großen Gefahr sich in jedem Augenblick in Luft aufzulösen. Die Prozesse sind hier sehr temporär und schlecht greifbar. Um diese gasförmige Masse zusammenhalten zu können müssen sehr viele Faktoren stimmen. Zum Beispiel braucht dieses Gas einen festen Behälter - den uneingeschränkten Rückhalt der Geschäftsleitung. Es braucht einen ganz speziellen Mindset, Mut und den Willen alles in Frage zu stellen. Diese radikalen Innovationen zu meistern ist eine Kunst. Eine Kunst, die es zu erlernen lohnt.

Über die ersten zwei Aggregatzustände wurde bereits viel geschrieben. Die gasförmige, radikale Innovation blieb bis anhin aber für die allermeisten Unternehmen nicht existent. So wie wir die meisten gasförmigen Stoffe bewusst nicht wahrnehmen, wurde auch diese Art der Innovation nicht oder nur sehr selten wahrgenommen. Wir bewegen uns allerdings auf eine Zeit zu, in der nur diejenigen Unternehmen erfolgreich bleiben können, die alle drei Innovationsarten beherrschen. Aus diesem Grund schreiben wir unser Buch „Hört auf vorzugeben, innovativ zu sein“, welches sich ausführlich mit dieser dritten, noch nebulösen Form der Innovation befasst.