Magier zeigen uns die Schwierigkeit zu Innovieren

Der Straßen-Magier David Blaine wurde vor allem aufgrund eines spektakulären Tricks berühmt. Es handelt sich dabei um eine abgewandelte Version des „Ist-das-deine-Karte?“-Tricks. David ließ dabei irgendeinen Passanten eine Karte aus seinem Stapel ziehen, diese verdeckt wieder zurückschieben, bevor der Magier das Karten-Deck gründlich mischte. Doch anstatt danach - wie dies für diesen Trick normalerweise der Fall ist - die richtige Karte aus dem Kartenset zu ziehen, schmiss David alle Karten gegen das Schaufenster hinter dem Passanten und allen anderen gespannten Zuschauer. Während alle Karten zu Boden fielen, blieb eine einzelne Karte an der Scheibe kleben - die richtige Karte, natürlich. Aber das ist noch nicht alles. Denn die Karte klebte an der Innenseite des Schaufensters! Nur ein echter Magier schafft es mit mentaler Kraft die eine, gewünschte Karte durch ein Fenster schlüpfen und dort kleben zu lassen.

Was lehrt uns David Blaine, oder besser gesagt jeder gute Magier über die Schwierigkeit radikal innovativ zu sein? Eine der wichtigsten Voraussetzungen um wirklich innovativ zu sein ist das, was ich „optimistische Ignoranz“ nenne. Es ist die Eigenschaft, die Grenzen unseres Wissens anzuerkennen und diese schwarzen Löcher nicht sofort füllen zu wollen. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann müssen wir zugeben, dass wir kaum etwas wissen. Wir glauben aber alles zu verstehen, wir glauben zu wissen, wie die Welt funktioniert. Denn unser Hirn möchte alles um uns herum verstehen. Es fällt uns deshalb so schwer zuzugeben, dass wir etwas nicht begreifen. Unsere Umwelt ist allerdings so komplex und unsere Wahrnehmung so limitiert, dass wir nicht mehr als eine extrem vereinfachte Maske der Realität produzieren. Es ist wie die Bedienoberfläche unseres Computers. Nur weil ich diese Oberfläche verstehe, heißt das noch lange nicht, dass ich den Computer verstehe. Und doch habe ich - wenn ich nicht darüber nachdenke - den Eindruck dieses Gerät vor mir genau zu verstehen. Diese Maske, die unser Gehirn von der Welt um uns produziert, wäre selbst in dieser extrem vereinfachten Ausführung voller Löcher. Und diese werden ohne dass wir das bewusst wahrnehmen mit zum Teil haarsträubenden Erklärungen gestopft. Das heißt, wir wissen nicht nur sehr wenig, sondern vieles von dem was wir zu wissen glauben ist bloß eine schlechte Erfindung unseres Gehirns, dessen Job es ist uns glauben zu lassen, dass wir die Welt verstehen.

David Blaine hat natürlich weder die Gabe durch Gedankenlesen die richtige Karte zu erahnen, noch die Fähigkeit, Karten durch eine Glasscheibe zu werfen und dort kleben zu lassen. Für seinen Trick brauchte David einen Komplizen, der ebenfalls über ein komplettes Kartenset verfügte und auf der anderen Seite des Schaufensters eine klare Sicht auf die Karte in der Hand des Passanten hatte. Während David die Aufmerksamkeit aller Zuschauer an sich fesselte, klebte sein Komplize die richtige Karte unbemerkt an die Glasscheibe und machte sich sogleich vom Acker. Tadaa! Schon hat man einen spektakulären Trick. Diese Erklärung mag Ihnen jetzt so logisch vorkommen, dass Sie kaum verstehen, wie jemand jemals glauben konnte, dass David magische Kräfte besitzt. Magier nutzen genau diese Gewohnheit unseres Gehirns aus, Wissenslücken mit haarsträubenden Erklärungen zu füllen.

Um auf radikal neue Konzepte zu kommen, müssen wir uns auf eine optimistische Art und Weise unserer Ignoranz bewusst werden. Nur wer es schafft, die Wissenslücken nicht gleich schließen zu wollen, kann nach unzähligen Möglichkeiten suchen, diese Löcher zu stopfen.

 

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