Ich bin kurzsichtig und trage eine Brille – die meisten Unternehmen sind es auch und tragen keine

Wenn ich von einem Unternehmen angefragt werde, ob ich es dabei unterstützen kann innovativer zu werden, gibt es für mich ein einziges Killerargument: Bekommt das Thema Innovation von der Geschäftsleitung bedingungslose Unterstützung? Und um dazu ja sagen zu können, müssen die zumeist schon etwas älteren Geschäftsleitungsmitglieder zuerst wirklich verstehen, was das heisst. Es heisst nämlich, dass sie als Person sehr wahrscheinlich nichts oder nicht viel von dieser Initiative haben werden - es dient nur den zukünftigen Kunden und einem Unternehmen, in welchem sie womöglich keine Rolle mehr spielen werden.

Innovation ist für Manager kein Tauschhandel. Es bedeutet Vertrauen, Verantwortung, Freiraum und Ressourcen zu geben ohne zu fragen: „Was hab ich davon?“ Dass Innovation immer mit Risiken verbunden ist, bezweifelt niemand. Unternehmen müssen Risiken eingehen. Doch wäre das bereits die ganze Geschichte, wäre es kaum so schwierig Innovationen zu fördern. Denn ich kenne kaum Geschäftsführer, die nicht bereit sind Risiken einzugehen – solange es keine persönlichen Risiken sind. Und sollten sie dennoch persönliche Risiken eingehen, dann nur, wenn das gewünschte Resultat auch für sie selbst positiv ist.

Das ist bei einem Ja zur radikalen Innovation leider nicht der Fall. Nicht nur müssen die Geschäftsleiter persönliche Risiken eingehen, sondern auch davon ausgehen, dass bei erfolgreicher Umsetzung die Belohnung nicht mehr ihnen zugute kommt.

Ich wurde bereits als neunjähriger Bub kurzsichtig. Das heisst, in der Primarschule sah ich alles was weiter als zwei Meter von mir entfernt war unscharf. Bevor meine Kurzsichtigkeit entdeckt wurde dauerte es aber eine ganze Weile. Warum? Weil ich mich schlicht und einfach daran gewohnt hatte, mich nicht für Dinge zu interessieren, die weiter als zwei Meter weg waren. Es gab schliesslich genug Spannendes in meiner unmittelbaren Nähe. Genau so verhalten sich die allermeisten Unternehmen. In der nahen Zukunft gibt es genügend Themen um sich vollzeitig damit zu beschäftigen. Als ich dann endlich eine Brille erhielt, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Die Welt der Ferne.

Unternehmen sollen ja nicht aufhören sich mit Hochdruck um das Unmittelbare zu kümmern. Aber es wird Zeit einzugestehen, dass sie eine Brille benötigen. Diese Brille ist nichts anderes als eine vom Tagesgeschäft losgelöste „Avantgarde Abteilung“. Es ist eine Brille, die den Blick in die ferne Zukunft schärft. Und es braucht Geschäftsführer, die wissen, dass diese ferne Zukunft auch – oder besonders dann von grosser Wichtigkeit ist, wenn diese für sie als Menschen zu weit weg ist.

Innovation braucht uneigennützige Visionäre in der Geschäftsleitung, und diese sind selten! Aber es gibt sie. Und für diese Unternehmen sehe ich eine sehr erfolgreiche Zukunft voraus.

 

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