Liebe Innovatoren, gewöhnt euch an die zweite Geige

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, heute früh aufzustehen, um einen neuen Artikel zu schreiben. Als ich gestern Abend den Wecker gestellt habe, malte ich mir in Gedanken das Bild aus, wie ich früh morgens - draußen noch alles dunkel und still - voller Motivation und Inspiration am Laptop sitze und einen Satz nach dem anderen in die Tasten haue. Dieses Bild von mir selbst gefiel mir. Es gefiel mir so gut, dass ich keinen Zweifel hatte, dies auch wirklich durchzuziehen.

Heute Morgen läutete der Wecker und auf einmal war mir dieses romantische Bild des von der Muse geküssten Ich ziemlich egal. Es war zu schön im Bett. Habe ich mich selbst nicht im Griff?

Hört auf Ideen zu sammeln

Eichhörnchen haben den angeborenen Instinkt Nüsse zu vergraben. Im Herbst sammeln sie Nüsse, scharren Löcher, legen die Nahrung hinein, scharren die Löcher wieder zu, drücken die Erde fest und stossen mit der Schnauze nach. An ein paar wenige Nüsse können sie sich im Winter wieder erinnern. Andere werden nur durch ihren Geruchssinn wiedergefunden. Aber viele Nüsse gehen einfach vergessen und so beginnen die Samen im Frühling zu keimen. Gut für den Wald. Schlecht für die Eichhörnchen, die in strengen Wintern oft in grossen Mengen verhungern.

Praktisch jedes grössere Unternehmen verfügt über eine Person oder ein Team, welches sich um Innovationen kümmert. Und dies ist richtig und wichtig. Doch wenn man den Innovationsmanagern dann etwas genauer auf die Finger schaut, so stelle ich schnell Ähnlichkeiten mit Eichhörnchen fest.

Legen Unternehmen bei der Innovation zu viel Wert auf Ideen?

„Wie betreibt Ihr Unternehmen Innovation?“ Diese Frage stelle ich sehr gerne, wenn sich ein Gespräch um das Thema Innovation kreist. Und bei den häufigsten Antworten fällt mir sehr schnell ein Muster auf: „Wir betreiben eine Ideensammelstelle“, „In unserem Unternehmen haben wir ein Innovation-Board, in welchem Ideen bewertet und priorisiert werden“, „In jedem Quartal führen wir einen internen Ideenwettbewerb durch“, „wir suchen auch extern nach neuen Ideen mittels Open Innovation“, „unsere Mitarbeiter werden in Workshops darin geschult schneller mehr Ideen zu haben“... Ist Innovationsmanagement gleich zu setzen mit Ideenmanagement? Ist die Suche nach der genialen Idee die Suche nach dem heiligen Innovations-Gral?

Warum die meisten Unternehmen unbeabsichtigt Innovationstheater spielen

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein kleines Restaurant in welchem Sie bis anhin immer nur Spaghetti gekocht haben. Die Teigwaren in das heisse Wasser gegeben, parallel dazu eine feine Sauce mit einer Tomatenbasis zubereitet und zum Schluss die fertigen Nudeln auf dem Teller mit der Sauce übergossen. Sie können dies hervorragend. Doch Sie bemerken, dass immer weniger Gäste den Weg zu Ihnen finden. Als Sie sich erkundigen, was der Grund dafür ist, erfahren Sie, dass immer mehr Restaurants in Ihrem Umkreis ein neues italienisches Gericht offerieren. Es heisst Pizza. Und diese Pizzen scheinen bei den Gästen sehr gut anzukommen. Was tun Sie? Klar, was die andern können, können Sie auch! Kann ja nicht so schwierig sein.

Keanu Reeves wird Ihre Innovation nicht voranbringen

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Busfahrerin oder ein Busfahrer und erfahren soeben, dass unten an Ihrem Fahrzeug eine Bombe montiert ist. Diese wird explodieren sollten Sie Ihre Fahrt auf unter 80 km/h verlangsamen. Klingt verrückt - ist aber der Plot eines sehr erfolgreichen Actionfilms namens „Speed“ aus dem Jahre 1994. Darin kommt Keanu Reeves in der Rolle eines LAPD-Cops den Menschen in diesem Bus zu Hilfe und muss auf jede neue Situation im Verkehr spontan reagieren.

Ihr Unternehmen gleicht diesem Bus.